Eva-Maria Kraske: Betrug und Gnade. Zu Thomas Manns »Die Betrogene«

Eva-Maria Kraske
»Betrug und Gnade. Thomas Manns Erzählung ›Die Betrogene‹«

48 Seiten - Preis 5,95 €
ISBN 978-3-86672-021-3

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»Die Betrogene« ist die erste Erzählung, die Thomas Mann nach seiner Rückkehr aus den Vereinigten Staaten in Europa schrieb. Sie ist auch seine letzte abgeschlossene Prosaarbeit überhaupt. Er hatte hierfür sogar seine Arbeit am »Felix Krull« unterbrochen.

 

»Ich habe mir den Stoff nicht ausgedacht; er kam zu mir als Anekdote aus dem Leben, als Vorkommnis, von dem ich hörte und das mich packte durch die grausame Natur-Dämonie, die sich darin ausdrückt, und da es mich betroffen machte, mich sofort produktiv anzog« – so Thomas Mann in einem Interview aus dem Jahr 1954. »Die Betrogene« ist eine Erzählung, an der sich die Geister scheiden. Bei vielen Lesern löst sie ein subtiles Gefühl der Peinlichkeit aus. Da wird erzählt von einer Frau, die die Wechseljahre schon hinter sich hat, sich noch einmal verliebt und ihre Menstruation zurück zu bekommen glaubt, was sich als Irrtum herausstellt, da es sich in Wahrheit um eine Tumorerkrankung handelt.

 

Eva-Maria Kraske schreibt: »Daß diese Erzählung bei ihrem Erscheinen auf heftige Kritik stieß, mag mit dem klinischen Charakter dieser Novelle zusammenhängen. (...) Als ich diese Erzählung vor etwa dreißig Jahren zum ersten Mal gelesen habe, war ich tief berührt von diesem Frauenschicksal und davon, daß es von einem männlichen Autor erzählt wird. (...) Was für mich heute noch die Faszination dieser Novelle Thomas Manns ausmacht, ist das Thema, ist die Sprache und die dahinter aufscheinende Liebe des Autors zu den Menschen. Es ist so, wie der Autor es sagt: ›Als ganzes dennoch ein schönes, merkwürdiges Werk.‹«