Eva-Maria Kraske: Betrug und Gnade. Zu Thomas Manns »Die Betrogene«
»Die Betrogene« ist die erste Erzählung, die Thomas Mann
nach seiner Rückkehr aus den Vereinigten Staaten in Europa schrieb. Sie ist
auch seine letzte abgeschlossene Prosaarbeit überhaupt. Er hatte hierfür sogar
seine Arbeit am »Felix Krull« unterbrochen.
»Ich habe mir den Stoff nicht ausgedacht; er kam zu mir als
Anekdote aus dem Leben, als Vorkommnis, von dem ich hörte und das mich packte
durch die grausame Natur-Dämonie, die sich darin ausdrückt, und da es mich betroffen
machte, mich sofort produktiv anzog« – so Thomas Mann in einem Interview aus
dem Jahr 1954. »Die Betrogene« ist eine Erzählung, an der sich die Geister
scheiden. Bei vielen Lesern löst sie ein subtiles Gefühl der Peinlichkeit aus.
Da wird erzählt von einer Frau, die die Wechseljahre schon hinter sich hat,
sich noch einmal verliebt und ihre Menstruation zurück zu bekommen glaubt, was
sich als Irrtum herausstellt, da es sich in Wahrheit um eine Tumorerkrankung
handelt.
Eva-Maria Kraske schreibt: »Daß diese Erzählung bei ihrem
Erscheinen auf heftige Kritik stieß, mag mit dem klinischen Charakter dieser
Novelle zusammenhängen. (...) Als ich diese Erzählung vor etwa dreißig Jahren
zum ersten Mal gelesen habe, war ich tief berührt von diesem Frauenschicksal
und davon, daß es von einem männlichen Autor erzählt wird. (...) Was für mich
heute noch die Faszination dieser Novelle Thomas Manns ausmacht, ist das Thema,
ist die Sprache und die dahinter aufscheinende Liebe des Autors zu den
Menschen. Es ist so, wie der Autor es sagt: ›Als ganzes dennoch ein schönes,
merkwürdiges Werk.‹«
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Eva-Maria Kraske
»Betrug und Gnade. Thomas Manns Erzählung ›Die Betrogene‹«
48 Seiten - Preis 5,95 €
ISBN 978-3-86672-021-3
Literarische Tradition
in der WFB Verlagsgruppe
»Betrug und Gnade. Thomas Manns Erzählung ›Die Betrogene‹«
48 Seiten - Preis 5,95 €
ISBN 978-3-86672-021-3
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