Über Jakob Wassermann
Geboren am 10. März 1873 in Fürth
In den Zwanziger und Dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts
zählte Jakob Wassermann zu den meistgelesenen deutschen Autoren. Zu
Lebzeiten war er berühmter und erfolgreicher als manch anderer Autor,
dessen Name heute vielleicht weniger in Vergessenheit geraten ist als
der Wassermanns.
Jakob Wassermann ist ein Autor, den es lohnt wiederzuentdecken. Seine
Romane lesen sich heute genau wie zur Zeit ihres ersten Erscheinens
spannend, aufrüttelnd und fesselnd. Sie haben an Aktualität und
Relevanz nichts eingebüßt.
Jakob Wassermann (eigentlich: Karl Jakob Wassermann) wurde am 10. März
1873 im fränkischen Fürth geboren. Sein Vater war der jüdische
Spielwarenfabrikant Adolf Wassermann, seine Mutter Henriette eine
bewunderte Schönheit. Sie verstarb 1882, und der Vater heiratete 1883
ein zweites Mal, so daß Jakob Wassermann mit einer lieblosen
Stiefmutter aufwachsen mußte.
Nach dem Brand seiner Spielzeugfabrik schlug sich der Vater als Versicherungsagent durch.
Jakob Wassermann besuchte die Königlich-bayerische Realschule in Fürth.
Seine erste Veröffentlichung im Fürther Tagblatt - Wassermann war 15
Jahre alt - führte zu schweren Konflikten mit den Eltern. Sie waren mit
den literarischen Ambitionen des (Stief-)Sohnes durchaus nicht
einverstanden.
1889 trat Wassermann eine kaufmännische Lehre in Wien bei seinem Onkel,
dem Bruder seiner Mutter, an. Der Onkel lebte in kinderloser Ehe, und
die Familie war stillschweigend übereingekommen, daß Jakob Wassermann
ihm Sohn und Erbe werden sollte. Er wurde den Erwartungshaltungen des
Onkels nicht gerecht; 1890 brach er die Lehre ab und trat seinen
Wehrdienst in Würzburg an.
In seinen autobiographischen Schriften finden sich unzählige Hinweise
darauf, wie steinig und steil sein Weg zum Ruhm war, welche
Entbehrungen, Anfeindungen und Rückschläge er einstecken mußte.
In seinen Lebenserinnerungen »Mein Weg als Deutscher und Jude« schreibt
er beispielsweise: »Schwer und dunkel waren die Jahre des Werdens. Um
von der Unbill und dem Gefühl erlittenen Unrechts nicht erdrückt zu
werden, flüchtete ich mich gern in die Vorstellung, daß der Weltgeist
für mich im stillen wirkte. Es war ziemlich wunderbar, daß ich an der
kerkerhaften Wirklichkeit nicht zerschellte.«
1894 übersiedelte er nach München. Er wurde dort Sekretär beim
»Simplicissimus«, später dann Lektor. In dieser Zeit machte er
zahlreiche Bekanntschaften mit verschiedenen Autoren von Rang und
Namen. 1896 erschien »Melusine – ein Liebesroman«. Seinen literarischen
Durchbruch brachte dann 1897 der Roman »Die Juden von Zirndorf«.
1898 zog er nach Wien, wo er als Theaterkorrespondent der »Frankfurter
Zeitung« sein Brot verdiente. Ein Jahr später schloß er Freundschaft
mit dem Verleger Samuel Fischer.
Seine 1901 geschlossene erste Ehe mit Julie Speier, aus der vier Kinder
hervorgingen, wurde 1926 wieder geschieden, denn 1915 hatte er Marta
Stross kennengelernt, wegen der er sich 1919 von seiner ersten Frau
trennte; die Scheidung zog sich in die Länge, und 1926 heiratete er
dann Marta Stross.
Jakob Wassermann unternahm zahlreiche Auslandsreisen. Berichte darüber finden sich in seinem Buch »Lebensdienst«.
Seit 1924 litt Wassermann unter Herzbeschwerden und Diabetis.
Als jüdischer Autor wurde er 1933 verfemt, seine Bücher wurden verboten.
Jakob Wassermann verstarb 1934.
Zeit seines Lebens prägte ihn das Spannungsfeld, Deutscher und Jude
zugleich zu sein. Die religiöse Identität als Jude war für ihn weder in
seiner Jugend noch im Verlauf seines weiteren Lebens von großer
Bedeutung oder doch nur insofern, als er sich in seinem christlichen
Umfeld als Außenseiter empfand. Das Gefühl der Fremdheit und des
Andersseins als die anderen begleitete ihn durch sein ganzes Leben.
Doch erst in seiner Militärzeit wurde er mit der vollen Härte des
Antisemitismus konfrontiert.
Bereits in seiner Kindheit entwickelt er eine große »Lust zu
fabulieren«. Ausgestattet mit einer reichen Phantasie, erfährt er in
seiner Umgebung jedoch nur Ablehnung, denn sein Umfeld hält die Lust am
Erzählen nur für reine »Tagedieberei«. Immerhin verschafft ihm seine
kindliche Erzählkunst den Vorteil, seinen jüngeren Bruder durch
spannende Fortsetzungsgeschichten davon abzuhalten, ihn bei der
Stiefmutter anzuschwärzen.
Jakob Wassermanns Kindheit war geprägt von zahllosen teils unbewußten
Ängsten: »Ich erinnere mich, daß ich in krankhafter Weise an
Gespensterfurcht litt, an Menschenfurcht, an Dingfurcht, an
Traumfurcht, daß in allem, was mich umgab, eine dunkle
Bezauberungsmacht wirkte, stets unheilvoll, stets dem Verhängnis
zugekehrt, stets darin bestärkt.«
Wassermann sah nicht so aus, wie Judenhasser sich einen Juden
vorstellten. Wäre er zum Christentum konvertiert, hätte er sich manche
Schwierigkeiten ersparen können. Doch Wassermann hat nie den Weg des
geringsten Widerstandes gewählt.
Wie ein roter Faden zieht sich durch seine Romane die Anklage gegen
»die Trägheit des Herzens«, gegen menschliche Gleichgültigkeit und
Inhumanität, die er selbst als Deutscher jüdischer Abstammung
schmerzhaft am eigenen Leibe gespürt hatte.
Wassermann sah das Schreiben in gewisser Weise als eine Art »Handwerk«,
das durch Übung erlernt und vervollkommnet werden kann. Er verfügt über
eine bemerkenswerte Sprachgewalt, die er in den Dienst seines Anliegens
stellt, die Menschen zur Menschlichkeit aufzurufen. Seine Romane sind
meisterhaft konzipiert und spannend aufgebaut. Heute so lesenswert wie
am ersten Tag.
- Bei uns erschienen
Autobiographisches
Jakob Wassermann
»Selbstbetrachtungen«
Nachwort von Rudolf Wolff
120 Seiten - Preis 10,95 €
ISBN 978-3-930730-42-1
Ich erinnere mich an ein kritisches Jahr, wo alles in Frage für mich
stand und ich zum Beispiel die Novelle »Adam Urbas« aus dem ersten
Wendekreis neunzehnmal umarbeitete. Daran ist nichts zu rühmen und zu
bewundern, es ist eben so, es ist das Gesetz, und wenn ich diese
Erzählung heute lese oder vorlese, finde ich Fehler und Mängel an ihr,
die mich unglücklich machen.
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Mein Weg als Deutscher und Jude
Jakob Wassermann
»Mein Weg als Deutscher und Jude«
Nachwort von Rudolf Wolff
176 Seiten - Preis 13,95 €
ISBN 978-3-86672-056-5
Er hätte es sich einfacher machen und den
Weg des geringeren Widerstands wählen, den (getauften) Ausnahmejuden
und gefeierten deutschen Star-Schriftsteller spielen können.
Sein Gesicht hätte es ihm leicht gemacht.
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Akten zur Verteidigung Caspar Hausers
In Wassermanns Roman »Caspar Hauser« geht es nicht um die authentische Widergabe der Lebensgeschichte des Romanhelden. Vielmehr sind es die Verrohung der Sitten, die Teilnahmslosigkeit der Allgemeinheit am Schicksal des Individuums.
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(in Vorbereitung)
Antisemitismus und Rassenfrage
Jakob Wassermann war Jude, fühlte sich jedoch dem jüdischen Glauben kaum hingezogen. Dennoch geriet er nach der Machtübernahme in den Sog der Rassenverfolgung. Das Thema Judentum hat ihn ständig beschäftigt. Hier werden einige Aufsätze zu diesem Thema zusammengestellt.
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(in Vorbereitung)

