Über Kurt Tucholsky
Geboren 9. Januar 1890
Gestorben 21. Dezember 1935
Politisch-satirischer Schriftsteller und Publizist. Chronist der Weimarer Republik. Flucht vor den Nazis und Freitod in Schweden
Tucholsky über Tucholsky
Eigenhändige
Vita Kurt Tucholskys
Kurt Tucholsky wurde am 9. Januar 1890 als Sohn des Kaufmanns Alex
Tucholsky und seiner Ehefrau, Doris, geborene Tucholski, in Berlin
geboren. Er besuchte Gymnasien in Stettin und in Berlin und bestand im
Jahre 1909 die Reifeprüfung. Er studierte in Berlin und in Genf Jura
und promovierte im Jahre 1914 in Jena cum laude mit einer Arbeit über
Hypothekenrecht.
Im April 1915 wurde Tucholsky zum Heeresdienst eingezogen; er war
dreieinhalb Jahre Soldat (die Papiere über seine Militärzeit liegen
bei). Zuletzt ist T. Feldpolizeikommissar bei der Politischen Polizei
in Rumänien gewesen.
Nach dem Kriege war Tucholsky unter Theodor Wolff, dem Chefredakteur
des Berliner Tageblatt, Leiter der humoristischen Beilage dieses
Blattes, des Ulk, vom Dezember 1918 bis zum April 1920.
Während der Inflation, als ein schriftstellerischer Verdienst in
Deutschland nicht möglich gewesen ist, nahm Tucholsky eine Anstellung
als Privatsekretär des früheren Finanzministers Hugo Simon an (in der
Bank Bett, Simon & Co. in Berlin).
Im Jahre 1924 ging Tucholsky als fester Mitarbeiter der berliner
Wochenschrift Die Weltbühne und der Vossischen Zeitung nach Paris, wo
er sich bis zum Jahre 1929 aufhielt. Er ist dort Mitglied der
»Association Syndicale de la Presse étrangère« gewesen. Seine Carte
d'identité liegt bei.
Nachdem Tucholsky bereits als Tourist längere Sommeraufenthalte in
Schweden genommen hatte (1928 in Kivik, Skåne, und fünf Monate im Jahre
1929 bei Mariefred), mietete er im Sommer 1929 eine Villa in Hindås, um
sich ständig in Schweden niederzulassen. (Der Mietvertrag liegt bei.)
Er bezog das Haus, das er ab 1. Oktober 1929 gemietet hat, im Januar
1930 und wohnt dort ununterbrochen bis heute. Er hat sich in Schweden
schriftstellerisch oder politisch niemals betätigt. Zahlreiche Reisen,
die zu seiner Information und zur Behebung eines hartnäckigen
Halsleidens dienten, führten ihn nach Frankreich, nach England (Papier
anliegend), nach Österreich und nach der Schweiz. Sein fester Wohnsitz
ist seit Januar 1930 Hindås gewesen, wo er seinen gesamten Hausstand
und seine Bibliothek hat.
Tucholsky hat im Jahre 1920 in Berlin Fräulein Dr. med. Else Weil
geheiratet; die Ehe ist am 14. Februar 1924 rechtskräftig geschieden.
Am 30. August 1924 hat Tucholsky Fräulein Mary Gerold geheiratet; die
Ehe ist am 21. August 1933 rechtskräftig geschieden. Tucholsky hat
keine Kinder sowie keine unterstützungsberechtigten Verwandten, die
seinen Aufenthalt in Schweden gesetzlich teilen könnten.
Tucholsky hat zu den bestbezahlten deutschen Journalisten gehört. Seit
dem Jahre 1931 hat er so gut wie nichts publiziert. Seine in
Deutschland befindlichen Vermögenswerte sind laut Bekanntmachung im
Deutschen Reichsanzeiger vom 25. August 1933 beschlagnahmt worden
(Verlagsrechte, Honorare pp.). Tucholsky hat ein Konto bei der
Skandinaviska Kredit A. B. in Göteborg, seit er in Schweden ist, und
ein Konto bei der Schweizerischen Kredit-Anstalt in Zürich, um über
Geld auf Reisen verfügen zu können. Er hat keinerlei
Schuldverpflichtungen, wie auch die Göteborger Firmen bezeugen können,
bei denen er die Einrichtung seiner Wohnung vorgenommen hat und bei
denen er seinen Hausbedarf deckt.
Daß Tucholsky Angebote von Verlagen und Zeitschriften zur Zeit
abgewiesen hat, hängt mit seiner literarischen Entwicklung zusammen.
Tucholsky hat seine literarische Tätigkeit mit einer kleinen Geschichte
»Rheinsberg – ein Bilderbuch für Verliebte« begonnen, das im Jahre 1912
in Berlin erschienen ist und heute im 120. Tausend vorliegt. An Büchern
hat er bis heute ferner erscheinen lassen:
»Der Zeitsparer«. 1913. Vergriffen
»Fromme Gesänge«. 1920. Vergriffen
»Träumereien an preußischen Kaminen«. 1920. Vergriffen
»Ein Pyrenäenbuch«. 1927. 11. Auflage
»Mit 5 PS«. 1925. 26. Auflage
»Das Lächeln der Mona Lisa«. 1928. 26. Auflage
»Deutschland, Deutschland über alles«. 1929. 50. Auflage
»Schloß Gripsholm. Eine Sommergeschichte«. 1931. 50. Auflage
»Lerne lachen ohne zu weinen«. 1931. 20. Auflage.
Das »Deutschland«-Buch ist im Neuen Deutschen Verlag in Berlin
erschienen; »Rheinsberg«
bei der Singer A. G. in Berlin – alle anderen Werke bei Ernst Rowohlt
in Berlin.
Im Jahre 1913 hat Tucholsky seine feste Mitarbeit an der berliner
Wochenschrift Die Weltbühne begonnen, die damals noch Die Schaubühne
hieß; diese Mitarbeit erstreckte sich bis zum Jahre 1931. Dem im Jahre
1926 verstorbenen Herausgeber des Blattes, Siegfried Jacobsohn,
verdankt Tucholsky alles, was er geworden ist. Nach dem Tode Jacobsohns
hat er das Blatt kurze Zeit selber herausgegeben, um es dann seinem
Gesinnungsfreunde Carl von Ossietzky abzutreten.
Tucholsky hat sich ferner als freier Mitarbeiter für den
sozialdemokratischen Vorwärts in Berlin, für die sozialdemokratische
Freiheit, den Simplicissimus und die Arbeiter-Illustrierte Zeitung
betätigt; er hat gelegentlich im Verlage Ullstein am Uhu, an der
Berliner Illustrirten Zeitung und an der Dame mitgearbeitet.
Neben der literarischen Arbeit hat sich Tucholsky vom Jahre 1913 bis
zum Jahre 1930 Pazifist schärfster Richtung in Deutschland betätigt.
Seine Betätigung in dieser Richtung bewegte sich im Rahmen der Gesetze
– er ist nicht bestraft. Tucholsky hat in Deutschland und in Frankreich
durch zahlreiche Vorträge für die deutschfranzösische Verständigung zu
wirken versucht; er hat gegen die Kriegshetzerei gearbeitet, wo er nur
konnte: mit feinen und leisen Mitteln in der Kunst und mit den gröbsten
für die Massen. In diesem Kampfe ist es ihm um die Wirkung zu tun
gewesen, und diese Wirkung ist bei Freund und Feind gleich stark
gewesen. Da die öffentliche Meinung, wenn die Geschäfte nicht gut gehn,
gern alles, was ihr nicht paßt, als »bolschewistisch« ansieht, so wurde
Tucholsky mitunter als Kommunist bezeichnet. Das ist unrichtig: er war
nach dem Kriege Mitglied der unabhängigen sozialdemokratischen Partei,
und nach deren Verschmelzung mit der sozialdemokratischen Partei
Mitglied der SPD. Andern Partein hat er nicht angehört.
Solange sich Tucholsky an Deutschland gebunden fühlte, hat er als
Deutscher und in Deutschland das, was er dort für nicht gut hielt,
kritisiert. Seine publizistische Tätigkeit hat im Jahre 1931, also
lange vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten, ihr vorläufiges
Ende gefunden. Trotzdem wurde ihm zwei Jahre später die deutsche
Staatsangehörigkeit aberkannt.
Die Aberkennung erfolgte wegen der
pazifistischen Tätigkeit Tucholskys; sie hat ihren Grund ferner in
einem Angriff, den Tucholsky im Jahre 1931 in Versen gegen einen der
Führer der Nationalsozialisten gerichtet hat. Die Aberkennung geschah
unter Angriffen des deutschen Propagandaministeriums auf Tucholsky, die
jedes Maß, das unter zivilisierten Menschen üblich ist, überschritten
haben. Eine Antwort auf diese Angriffe ist von selten Tucholskys nicht
erfolgt.
Die Aberkennung der Staatsangehörigkeit beruft sich auf ein
Reichsgesetz vom 14. Juli 1933. Tucholsky hat sich weder seit diesem
Tage noch überhaupt zur Machtergreifung durch die Nationalsozialisten
öffentlich geäußert. Die Aberkennung der Staatsangehörigkeit, die als
Strafe gedacht ist, stellt also einen Rechtsbruch dar, einen Bruch des
obersten Grundsatzes aller Strafjustiz: nulla poena sine lege.
Dr. Tucholsky ist im Begriff, seine schwedischen Sprachkenntnisse zu
vervollkommnen. Er hat den Wunsch, die schwedische Staatsangehörigkeit
zu erwerben, falls dies zulässig ist.
Dr. jur. Kurt Tucholsky
Hindås, 22.1.34
- Bei uns erschienen
- Märchen
- Lesetipps
Märchen und satirische Texte
Kurt Tucholsky (Peter Panter)
»Träumereien an preußischen Kaminen«
Mit 7 Zeichnungen aus der Originalausgabe von 1920 im Felix Lehmann Verlag
Nachwort von Rudolf Wolff
88 Seiten, Preis 10,00 €
ISBN 978-3-86672-300-9
In satirischer Anlehnung an
Volkmann-Leanders »Träumereien an französischen Kaminen« legte
Tucholsky 1920 unter dem Namen Peter Panter eine Märchensammlung vor,
in der die Räuber im Wald einen Räubererlaubnisschein vorweisen müssen...
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Illustriertes Märchen
Die Neuausgabe von Goethes »Märchen« wird ergänzt mit Zeichnungen von Hans Meid, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu den bedeutendsten Buchillustratoren Deutschlands zählte...
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Volkmann-Leanders Träumereien
Richard von Volkmann-Leander
»Träumereien an französischen Kaminen«
Mit Zeichnungen von Hans Richard von Volkmann
und einem Nachwort von Katja Wolff
172 Seiten - Preis 13,95 €
ISBN 978-3-86672-055-8
Sein
Märchenbuch »Träumereien an französischen Kaminen« erschien 1871 unter
dem Pseudonym ›Richard Leander‹ – ein Buch, dessen Erfolgsgeschichte
seinesgleichen sucht. Eine Auflage jagte die nächste, und daran hat
sich bis heute nicht viel geändert.
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Planung
Der Verlag begann im Februar 2009, genau zum Eintritt ins fünfte Verlagsjahr, mit der Reihe Bibliothek Bücherverbrennung. Geplant sind ab 2011 mindestens 1 Band im Frühjahr und im Herbst. Das Frühjahrsprogramm ist abgeschlossen. In Planung sind:
1. Kurt Tucholsky: »Träumereien an preußischen Kaminen«
2. Stefan Großmann: »Ich war begeistert«
3. Jakob Wassermann: »Antisemitismus und Rassenfrage« (in Vorbereitung 1. Hj. 2011)
4. Gustav Meyring: »Des deutschen Spießers Wunderhorn«
5. Erich Mühsam: »Die Befreiung der Gesellschaft vom Staat« (in Vorbereitung Februar 2011)
Für den Herbst 2011 ist unter anderem ein Buch mit Erzählungen von Berta von Suttner (u. a. »Die Waffen nieder!«) geplant.

