Winni der Schneemann
Der Schwarze Diamant
Etwas abseits vom Dorf, in Richtung Wald, stand an einer Nebenstraße ein kleines, aber total schickes Haus. Dieses Schmuckkästchen, wie es gelegentlich genannt wurde, hatte vor einigen Jahren ein Rentnerehepaar erbaut, das hier in der schönen Eifel, nahe dem Nationalpark, den Lebensabend genießen wollte. Die Bewohner des Dorfes mochten die beiden älteren Leutchen, sie waren sogar stolz auf sie. Nicht nur wegen des schönen und immer sehr gepflegten Häuschens, nein, die beiden waren, wie man so schön sagt, etwas Besseres.
Der Herr Neuen, so sein Name, war früher Vorsteher einer großen Post in Köln gewesen, und seine Gattin leitete bis zur Berentung als Oberstudienrätin ein Kölner Gymnasium. Sie hatten drei Söhne, von denen sie, immer wenn sich die Gelegenheit bot, gerne erzählten. So hatten alle im Dorf erfahren, dass der älteste Sohn Ärztlicher Direktor einer Klinik in einem Stadtteil von Köln war, der mittlere der drei leitete als Chemiker ein Forschungslabor bei den Bayerwerken in Leverkusen, und der jüngste Sprössling war auf dem besten Weg, ein namhafter Klavierspieler zu werden. Er hatte bereits eine feste Anstellung in einem berühmten Kölner Symphonieorchester, wurde aber immer öfter zu Solokonzerten bei großen Musikveranstaltungen, auch im Ausland, eingeladen.
Öfter mal stand ein schickes Auto vor dem Haus von Neuens. Dann wusste man im Ort, dass einer der Söhne zu Besuch bei ihren Eltern war. Einer der drei, und zwar der Chemiker, hatte eine Vorliebe für ein ganz bestimmtes Hobby, von dem auch das idyllische Eifeldörfchen einiges abbekam. Eines Tages war Herr Neuen bei dem Bürgermeister vorstellig geworden. Er beabsichtigte, im Auftrag seines Sohnes, mehrere Morgen Weideland zu pachten, um dort Stallungen für Reitpferde zu errichten. Der clevere Bürgermeister empfand dies als Bereicherung des dörflichen Lebens und stimmte gerne zu.
Und bald tummelten sich auf den saftigen Wiesen und in der frischen Luft der Eifel mehrere elegante Hengste, Stuten und auch munter herum tollende Fohlen. Das Ehepaar Fink aus dem Dorf fand auf dieser Pferdezucht eine angenehme und sich lohnende Lebensaufgabe. Ihnen wurde die Beaufsichtigung, Betreuung und Pflege der wertvollen Tiere übertragen. Was war das für ein zauberhaftes und erhabenes Bild, wenn Friedrich, so hieß der pferdeverliebte Sohn, mit seinen Freunden oder Bekannten hoch zu Ross auf den vorgesehenen Reitwegen die prunkvollen Schönheiten der Eifelwälder erkundeten.
Sigrid, die Tochter der Eheleute Fink, war gerade neun Jahre alt geworden. Ihre Eltern hatten versucht, sie mal mit zu den Pferden zu nehmen. Sie sollte ihre Arbeit und vor allem die wunderschönen Vierbeiner kennenlernen. Doch Sigrid wollte nicht, sie hatte wirkliche Angst vor Pferden. Aus der Sicht von Klein-Sigrid waren diese Tiere ja auch erschreckend groß. Natürlich gehört es zu den wichtigen Aufgaben von Pferdepflegern, Lebewesen, die von Natur aus für das Laufen geschaffen sind, auch ständig in Bewegung zu halten und auszureiten.


