Bücherverbrennung und Exil: Thomas Mann
Nobelpreisträger und Repräsentant des ›guten‹ Deutschlands
Thomas
Mann entstammte einer angesehenen Lübecker Patrizierfamilie. Er wurde am 6.
Juni 1875 als zweiter Sohn des Kaufmanns und Senators Johann Heinrich Mann und
seiner Frau Julia, geb. da Silva-Bruhns, die mütterlicherseits brasilianischer
Abstammung war, geboren. Seine Kindheit war nach eigenem Bekunden »gehegt und
glücklich«.
Thomas Mann besucht das Gymnasium
in Lübeck und entwickelt schon früh literarische Ambitionen. In späteren Jahren
bezeichnet er seine Schulzeit im Rückblick als stumpfsinnig. 1893, noch als
Schüler, wird er Mitherausgeber der Zeitschrift »Frühlingssturm. Monatsschrift
für Kunst, Literatur und Philosophie.«
In
der Obersekunda verläßt er die Schule und siedelt wenig später nach München um.
1896
wird er volljährig und erhält von nun an monatlich 180 Goldmark aus den
Erträgen des angelegten Erbgeldes. Dadurch wird er in die Lage versetzt,
sorglos als freier Schriftsteller leben zu können. Sein älterer Bruder Heinrich
Mann ist inzwischen Herausgeber der nationalkonservativen Zeitschrift »Das
Zwanzigste Jahrhundert«, und Thomas Mann steuert für diese Zeitschrift Beiträge
bei.
Von
1896 bis 1898 hält er sich gemeinsam mit seinem Bruder Heinrich in Italien auf
und beginnt mit der Arbeit an seinem wohl berühmtesten Roman »Buddenbrooks«.
Heinrich ist ihm bei der Konzeption behilflich. Die Einflüsse anderer häufig zeitgenössischer Autoren wie Knut Hamsun, Alexander L. Kielland, Henrik Ibsen oder Edmond und Jules Goncourt sind unverkennbar. 1898 wird er Redakteur des »Simplicissimus«
und veröffentlicht ein Novellenbändchen mit dem Titel »Der kleine Herr Friedemann«.
1901 erscheint der Roman »Buddenbrooks,
Verfall einer Familie«, in zwei Bänden. Das Buch ist zunächst kein Erfolg. In
Thomas Manns Geburtsstadt Lübeck lösen
die »Buddenbrooks« jedoch einen Skandal aus, denn viele angesehene Bürger
finden sich darin unter fiktiven Namen nicht immer sehr schmeichelhaft
beschrieben. Es zirkulieren zu dieser Zeit in Lübeck Listen, auf denen
verzeichnet ist, welche Romanfigur welchen Lübecker Bürger zum Vorbild hat. Die
Tatsache, daß Thomas Mann immer wieder Freunde und Bekannte zum Vorbild seiner
literarischen Figuren genommen hat, trug ihm zahlreiche Feindschaften ein. Erst
als der Roman »Buddenbrooks« zwei Jahre später in zweiter Auflage als
einbändige Ausgabe erscheint, stellt sich der Erfolg ein, und es gelingt Thomas
Mann der literarische Durchbruch mit zeitlicher Verzögerung.
1914
beginnt der Erste Weltkrieg. Das Volk jubelt, zahlreiche Schriftsteller lassen
sich von der Begeisterung anstecken. Thomas Mann bleibt skeptisch und fürchtet,
die Folgen des Krieges könnten für ihn und seine Familie die Verarmung
bedeuten.
1915
erscheint »Friedrich und die Große Koalition. Ein Abriß für den Tag und die
Stunde.« 1918 wird seine Tochter Elisabeth geboren, und es erscheinen Thomas
Manns »Betrachtungen eines Unpolitischen« – eine kaisertreue Schrift,
geschrieben am Ende der Kaiserzeit. Thomas Mann hat später diese Schrift erheblich
distanzierter gesehen und demokratische Überzeugungen vertreten.
1922
veröffentlicht er den ersten Teil des Romans »Bekenntnisse des Hochstaplers
Felix Krull« und hält die Rede »Von deutscher Republik«. Mit dieser Rede beginnt die Zeit des Demokraten Thomas Mann.
1929
erhält Thomas Mann den Nobelpreis für Literatur, bedingt durch eine Intrige
allerdings nicht, wie er erwartet hatte, für den »Zauberberg«, sondern für den
Roman »Buddenbrooks«. Der Nobelpreis kommt nicht unerwartet. Schon einige Jahre
vorher hatte es Spekulationen darüber gegeben, daß Thomas Mann ausgezeichnet
werden würde. Das Preisgeld beträgt 200.000 Reichsmark. Ein Journalist rät ihm
in Stockholm, aufgrund der sich anbahnenden politischen Umwälzungen in
Deutschland das Geld außerhalb Deutschlands zu deponieren, doch Thomas Mann
versteht die Warnung nicht oder nimmt sie doch zumindest nicht ernst.
Das
Ende der Weimarer Republik bahnt sich an. Der nationalsozialistische Ungeist
greift immer weiter um sich. Thomas Mann ist zu dieser Zeit überzeugter
Demokrat und Mitglied der liberaldemokratischen »Deutschen Demokratischen
Partei«. Er setzt sich für die Werte der Demokratie ein und hält 1930 seine »Deutsche
Ansprache. Ein Appell an die Vernunft«. Im selben Jahr erscheint »Mario und der
Zauberer«.
1933
emigriert Thomas Mann nach einer Auslandsreise, von der er nicht nach
Deutschland zurückkehrt, auf Anraten seiner Kinder Erika und Klaus mit seiner
Familie zunächst nach Sanary-sur-Mer, später dann nach Küsnacht bei Zürich.
Reste des Nobelpreis-Geldes und einiges Barvermögen kann in die Schweiz
transferiert werden, so daß Thomas Mann mit seiner Familie nicht in Not gerät.
Das Haus in München, ein Großteil des Vermögens und verschiedener Besitz sind
allerdings unrettbar verloren. »Joseph und seine Brüder. Die Geschichten
Jaakobs« erscheinen.
Von
der Bücherverbrennung sind die Werke Thomas Manns zwar nicht betroffen, aber da
er als überzeugter Demokrat und entschiedener Gegner des Nazis-Regimes bekannt
ist, kehrt er nicht nach Deutschland zurück. Thomas Mann macht seine erste Reise in die USA.
1939 beginnt der Zweite Weltkrieg und löst weltweite Bestürzung aus.
Thomas Mann reagiert 1940 darauf mit monatlichen Radiosendungen, die nach
Deutschland ausgestrahlt werden. Er findet nur wenige Zuhörer. 1942
erscheinen die Reden »Deutsche Hörer! 25 Radiosendungen nach Deutschland«. 1945
erscheint »Deutschland und die Deutschen. Deutsche Hörer! 55 Radiosendungen
nach Deutschland«.
1947
reist Thomas Mann erstmals seit der Emigration wieder nach Europa. »Doktor Faustus. Das
Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde«
erscheint – eine sehr subtile Auseinandersetzung mit den geistigen Wurzeln des
Nationalsozialismus und den Ursachen der deutschen Tragödie.
1952 kehrt Thomas Mann zurück nach Europa. Er läßt sich in der Schweiz
nieder und reist von dort aus regelmäßig nach Deutschland.
»Der Kaiser der Emigranten«
Thomas Mann in seinem Garten
»Gott helfe unserem verdüsterten und mißbrauchten Lande und lehre es, seinen Frieden zu machen mit der Welt und mit sich selbst!«
(Antwort Thomas Manns an den Dekan der philosophischen Fakultät der Universität Bonn anläßlich der Streichung seines Namens aus der Liste der Ehrendoktoren)
(Antwort Thomas Manns an den Dekan der philosophischen Fakultät der Universität Bonn anläßlich der Streichung seines Namens aus der Liste der Ehrendoktoren)
Thomas Mann in der Literarischen Tradition
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Der Schriftsteller Thomas Mann |
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Briefe Thomas Mann und Harald Kohtz |
| Ein Gespräch in Briefen zwischen Thomas Mann und Harald Kohtz. > Weiter >>> |
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Ausstellungskatalog |
| Die Stationen der letzten 10
Lebensjahre Thomas Manns dokumentiert die Ausstellung von »Qual und
Glanz« und der sie begleitende reich bebilderte Katalog. > Weiter >>> |
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Thomas Manns »Buddenbrooks« |
| Erzählte Zeitgeschichte im Roman. Diesem
Anspruch folgend, geht es nicht nur um Thomas Manns »Buddenbrooks«,
sondern es ist vielmehr eine Darstellung der Schulsituation um die
Jahrhundertwende. > Weiter >>> |
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Thomas Manns »Felix Krull« |
| Thomas Mann schuf den Hochstapler-Roman »Felix Krull« auf Anregung des Freundes und Schriftstellers Kurt Martens. > Weiter >>> |
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Joseph Roths »Radetzkymarsch« |
| In diesem Vortrag zeichnet Bernd M. Kraske die Entstehungsgeschichte des Romans kenntnisreich nach. > Weiter >>> |
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Theodor Fontanes »Der Stechlin« |
| »Der Stechlin« ist das bedeutendste Werk von Theodor Fontane, ein Dokument heiter-resignativer Gelassenheit. > Weiter >>> |
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Thomas Manns Tagebücher |
| Die Tagebücher Thomas Manns vermittelten Erkenntnisse, die es notwendig machten, die Biographie Thomas Mann neu zu schreiben. > Weiter >>> |
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Claus Arndt zum 80. Geburtstag |
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Neben seiner Tätigkeit in Politik, Verwaltung und Lehre hat sich Claus
Arndt schon immer für die Kunst und die Künstler eingesetzt. > Weiter >>> |
Zur Ausstellung »Thomas Mann - Qual und Glanz« an der Universität Basel: Der Ausstellungskatalog
»Es gab wohl selten ein solches Ineinander von Qual und Glanz.«
Trotz ständiger Versagensangst will er doch nicht auf den Glanz und die Ehrungen der Welt verzichten, die ihm gerade in den letzten Lebensjahren überreich zuteil geworden sind.
Obwohl er die Kräfte schwinden fühlt, stellt sich Thomas Mann den Forderungen des Tages und nimmt Strapazen auf sich, die ihm solange nicht zusetzen, solange er repräsentiert und Hof hält. Er bestreitet die Schillerfeiern in Stuttgart und Weimar, die ihm die Ehrerbietung beider deutscher Teilstaaten einbringt; er kehrt noch einmal in seine Heimatstadt Lübeck zurück, um endgültig mit ihr Frieden zu schließen und das Ehrenbürgerrecht entgegen zu nehmen; und er reist nach Rom und wird von Papst Pius XII. in einer Privataudienz empfangen.
All diese Stationen der letzten 10 Lebensjahre Thomas Manns dokumentiert diese Ausstellung von »Qual und Glanz« und der sie begleitende reich bebilderte Katalog.












