Über Thomas Mann
Thomas
Mann entstammte einer angesehenen Lübecker Patrizierfamilie. Er wurde am 6.
Juni 1875 als zweiter Sohn des Kaufmanns und Senators Johann Heinrich Mann und
seiner Frau Julia, geb. da Silva-Bruhns, die mütterlicherseits brasilianischer
Abstammung war, geboren. Seine Kindheit war nach eigenem Bekunden »gehegt und
glücklich«.
Im
Alter von sechs Jahren verliert Thomas Mann den Vater. Die Firma des Vaters
wird entsprechend seinen testamentarischen Verfügungen liquidiert, und die Witwe und die Kinder
leben von den Zinsen des angelegten Geldes. Thomas Mann besucht das Gymnasium
in Lübeck und entwickelt schon früh literarische Ambitionen. In späteren Jahren
bezeichnet er seine Schulzeit im Rückblick als stumpfsinnig. 1893, noch als
Schüler, wird er Mitherausgeber der Zeitschrift »Frühlingssturm. Monatsschrift
für Kunst, Literatur und Philosophie.«
In
der Obersekunda verläßt er die Schule und siedelt wenig später nach München um.
Dort tritt er 1894, gezwungen durch seinen Vormund Krafft Tesdorpf, eine Stelle
als Volontär in einer Feuerversicherungsgesellschaft an. Die Bürotätigkeit
empfindet er als langweilig. Er veröffentlicht seine erste Novelle »Gefallen«
in der literarischen Zeitschrift »Die Gesellschaft«. Dort war schon ein Jahr
zuvor sein Gedicht »Zweimaliger Abschied« abgedruckt worden. Angespornt durch
diesen Erfolg, beschließt er, journalistisch tätig zu werden. Er kündigt seine Arbeitsstelle
bei der Feuerversicherung und nimmt 1895 ein Studium an der Technischen
Hochschule in München auf, das er nach einem Jahr jedoch wieder abbricht. 1896
wird er volljährig und erhält von nun an monatlich 180 Goldmark aus den
Erträgen des angelegten Erbgeldes. Dadurch wird er in die Lage versetzt,
sorglos als freier Schriftsteller leben zu können. Sein älterer Bruder Heinrich
Mann ist inzwischen Herausgeber der nationalkonservativen Zeitschrift »Das
Zwanzigste Jahrhundert«, und Thomas Mann steuert für diese Zeitschrift Beiträge
bei.
Von
1896 bis 1898 hält er sich gemeinsam mit seinem Bruder Heinrich in Italien auf
und beginnt mit der Arbeit an seinem wohl berühmtesten Roman »Buddenbrooks«.
Heinrich ist ihm bei der Konzeption behilflich. 1898 wird er Redakteur des »Simplicissimus«
und veröffentlicht ein Novellenbändchen mit dem Titel »Der kleine Herr Friedemann«.
Im
Jahr 1900 tritt er seinen Militärdienst beim Münchner Leibregiment an. Seine
Dienstzeit endet drei Monate nach Antritt wegen Dienstuntauglichkeit. Die Erinnerungen an diese Ereignisse hat Thomas
Mann dann später in seinem Romanfragment »Die Bekenntnisse des Hochstaplers
Felix Krull« verarbeitet. Ein Jahr später, 1901, erscheint sein Roman »Buddenbrooks,
Verfall einer Familie«, in zwei Bänden. Das Buch ist zunächst kein Erfolg. In
Thomas Manns Geburtsstadt Lübeck lösen
die »Buddenbrooks« jedoch einen Skandal aus, denn viele angesehene Bürger
finden sich darin unter fiktiven Namen nicht immer sehr schmeichelhaft
beschrieben. Es zirkulieren zu dieser Zeit in Lübeck Listen, auf denen
verzeichnet ist, welche Romanfigur welchen Lübecker Bürger zum Vorbild hat. Die
Tatsache, daß Thomas Mann immer wieder Freunde und Bekannte zum Vorbild seiner
literarischen Figuren genommen hat, trug ihm zahlreiche Feindschaften ein. Erst
als der Roman »Buddenbrooks« zwei Jahre später in zweiter Auflage als
einbändige Ausgabe erscheint, stellt sich der Erfolg ein, und es gelingt Thomas
Mann der literarische Durchbruch mit zeitlicher Verzögerung.
1903
veröffentlicht Thomas Mann sechs Novellen unter dem Titel »Tristan«. Zu dieser
Zeit kommt es zu Streitigkeiten und Auseinandersetzungen mit seinem Bruder
Heinrich. 1905 heiratet er Katharina (Katia) Pringsheim, die er 1904
kennengelernt hat, und im selben Jahr wird seine erste Tochter Erika geboren.
Durch seine Heirat verschafft sich Thomas Mann Zugang zu den ersten Kreisen Münchens.
Seine Verlobungs- und Brautzeit verarbeitet er später in seinem Roman »Königliche
Hoheit«. Thomas Mann entscheidet sich mit seiner Heirat für ein geregeltes
bürgerliches Leben und hofft, auf diese Weise seine latenten homosexuellen
Neigungen überwinden zu können.
1906
wird sein Sohn Klaus geboren, und es erscheint »Fiorenza«. Drei Jahre später,
1909, veröffentlicht er den Roman »Königliche Hoheit«, und sein Sohn Golo wird
geboren.
1910
beginnt er mit der Arbeit an seinem Roman »Bekenntnisse des Hochstaplers Felix
Krull«, den er nicht vollendet hat. Seine Schwester Carla begeht Selbstmord,
und Tochter Monika wird geboren.
1912
erscheint »Der Tod in Venedig«, und 1913 beginnt Thomas Mann mit der Arbeit am »Zauberberg«.
Anlaß ist die Lungenkrankheit seiner Frau Katia, die einen Aufenthalt im
Schweizer Luftkurort Davos notwendig macht. Vollendet wird der »Zauberberg«
jedoch erst 1924.
1914
beginnt der Erste Weltkrieg. Das Volk jubelt, zahlreiche Schriftsteller lassen
sich von der Begeisterung anstecken. Thomas Mann bleibt skeptisch und fürchtet,
die Folgen des Krieges könnten für ihn und seine Familie die Verarmung
bedeuten.
1915
erscheint »Friedrich und die Große Koalition. Ein Abriß für den Tag und die
Stunde.« 1918 wird seine Tochter Elisabeth geboren, und es erscheinen Thomas
Manns »Betrachtungen eines Unpolitischen« – eine kaisertreue Schrift,
geschrieben am Ende der Kaiserzeit. Thomas Mann hat später diese Schrift erheblich
distanzierter gesehen und demokratische Überzeugungen vertreten.
1919
erscheinen »Herr und Hund« sowie »Gesang vom Kindchen«. Sein Sohn Michael wird
geboren.
1922
veröffentlicht er den ersten Teil des Romans »Bekenntnisse des Hochstaplers
Felix Krull« und hält die Rede »Von deutscher Republik«.
1923
stirbt seine Mutter Julia. Ein Jahr später, 1924, erscheint der Roman »Der
Zauberberg« und wird auf Anhieb ein großer Erfolg.
1926
veröffentlicht Thomas Mann »Unordnung und frühes Leid«. In diesem Jahr beginnt
er mit der Arbeit an seinen Josephs-Romanen.
1927
begeht seine Schwester Julia Selbstmord.
1929
erhält Thomas Mann den Nobelpreis für Literatur, bedingt durch eine Intrige
allerdings nicht, wie er erwartet hatte, für den »Zauberberg«, sondern für den
Roman »Buddenbrooks«. Der Nobelpreis kommt nicht unerwartet. Schon einige Jahre
vorher hatte es Spekulationen darüber gegeben, daß Thomas Mann ausgezeichnet
werden würde. Das Preisgeld beträgt 200.000 Reichsmark. Ein Journalist rät ihm
in Stockholm, aufgrund der sich anbahnenden politischen Umwälzungen in
Deutschland das Geld außerhalb Deutschlands zu deponieren, doch Thomas Mann
versteht die Warnung nicht oder nimmt sie doch zumindest nicht ernst.
Das
Ende der Weimarer Republik bahnt sich an. Der nationalsozialistische Ungeist
greift immer weiter um sich. Thomas Mann ist zu dieser Zeit überzeugter
Demokrat und Mitglied der liberaldemokratischen »Deutschen Demokratischen
Partei«. Er setzt sich für die Werte der Demokratie ein und hält 1930 seine »Deutsche
Ansprache. Ein Appell an die Vernunft«. Im selben Jahr erscheint »Mario und der
Zauberer«.
1933
emigriert Thomas Mann nach einer Auslandsreise, von der er nicht nach
Deutschland zurückkehrt, auf Anraten seiner Kinder Erika und Klaus mit seiner
Familie zunächst nach Sanary-sur-Mer, später dann nach Küsnacht bei Zürich.
Reste des Nobelpreis-Geldes und einiges Barvermögen kann in die Schweiz
transferiert werden, so daß Thomas Mann mit seiner Familie nicht in Not gerät.
Das Haus in München, ein Großteil des Vermögens und verschiedener Besitz sind
allerdings unrettbar verloren. »Joseph und seine Brüder. Die Geschichten
Jaakobs« erscheinen.
Von
der Bücherverbrennung sind die Werke Thomas Manns zwar nicht betroffen, aber da
er als überzeugter Demokrat und entschiedener Gegner des Nazis-Regimes bekannt
ist, kehrt er nicht nach Deutschland zurück. 1934 erscheint »Joseph und seine
Brüder. Der junge Joseph«. Thomas Mann macht seine erste Reise in die USA.
1936
veröffentlicht Thomas Mann »Joseph und seine Brüder. Joseph in Ägypten«. Die
deutsche Staatsbürgerschaft wird ihm aberkannt.
Thomas Mann wird tschechischer Staatsbürger. Zwei Jahre später, 1938,
übersiedelt Thomas Mann in die USA und wird Gastprofessor an der Universität
Princeton. 1939 beginnt der Zweite Weltkrieg und löst weltweite Bestürzung aus.
Thomas Mann reagiert 1940 darauf mit monatlichen Radiosendungen, die nach
Deutschland ausgestrahlt werden. Er findet nur wenige Zuhörer. Im Jahr 1939
erscheint der Roman »Lotte in Weimar«. Ein Jahr später zieht Thomas Mann nach
Kalifornien um. Ein weiteres Jahr später beginnt er dort mit dem Bau eines eigenen
Hauses in Pacific Palisades, wo er von 1942 bis 1952 wohnen bleibt.
1942
erscheinen die Reden »Deutsche Hörer! 25 Radiosendungen nach Deutschland«.
1943
veröffentlicht er »Joseph und seine Brüder. Joseph, der Ernährer«. Ein Jahr
später wird er amerikanischer Staatsbürger.
1945
erscheint »Deutschland und die Deutschen. Deutsche Hörer! 55 Radiosendungen
nach Deutschland«.
Dann
erkrankt er an Lungenkrebs. 1946 wird er in Chicago operiert.
1947
reist er erstmals seit der Emigration wieder nach Europa. »Doktor Faustus. Das
Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde«
erscheint – eine sehr subtile Auseinandersetzung mit den geistigen Wurzeln des
Nationalsozialismus und den Ursachen der deutschen Tragödie.
1949
hält er Reden zum Goethe-Jahr. Sein Bruder Viktor stirbt, sein Sohn Klaus
begeht Selbstmord. Thomas Mann veröffentlicht »Die Entstehung des Doktor
Faustus. Roman eines Romans«.
Ein
Jahr später stirbt sein Bruder Heinrich Mann.
1951
erscheint der Roman »Der Erwählte«, eine ironische Adaption der frommen
Gregorius-Legende, in der es um Schuld und Gnade geht.
Ein
Jahr später kehrt Thomas Mann zurück nach Europa. Er läßt sich in der Schweiz
nieder und reist von dort aus regelmäßig nach Deutschland.
1953
veröffentlicht er »Die Betrogene«, die tragische Geschichte einer alternden
Frau. 1954 erscheinen die kräftig
umgearbeiteten und erweiterten »Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull. Der
Memoiren erster Teil«. Thomas Mann kauft ein Haus in Kilchberg bei Zürich.
1955
veröffentlicht er die Schiller-Reden »Versuch über Schiller« und wird
Ehrenbürger der Stadt Lübeck. Im Spätsommer diagnostiziert man bei ihm eine
Beinvenenthrombose. Thomas Mann wird ins Krankenhaus eingewiesen, wo er
zunehmend schwächer wird. Am 12. August stirbt er im Kantonspital Zürich.
Thomas
Mann hat zeit seines Lebens Tagebuch geschrieben. Gemäß seiner Verfügung
durften die umfangreichen Tagebuchaufzeichnungen erst zwanzig Jahre nach seinem
Tod veröffentlicht werden. Die Herausgabe der Tagebücher startete dann anläßlich des hundertsten Geburtstages Thomas
Manns im Jahr 1975. Sie gelten als wichtiges Dokument, insbesondere im Hinblick
auf die Entstehungsgeschichte seiner Werke.












