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Der Verlag

Verlagsleiter
Rudolf Wolff, Gründer des Verlags 2005 und seit Juli 2007 Verlagsleiter
Aus Bad Schwartau kamen bisher nur Müsliriegel und die Marmelade, die jeder vom Frühstückstisch her kennt. Seit kurzem werden hier auch Bücher produziert. Rudolf Wolff, als Autor von einigen Regalmetern Büchern bekannt, hat im Januar 2005 seinen eigenen Verlag gegründet.

Genau genommen nicht nur einen, sondern gleich mehrere gleichzeitig. Denn seine WFB-Verlagsgsgruppe untergliedert sich in fünf verschiedene Editionen: edition TempelBibliothek, Literarische Tradition, edition Profile, ZeitZeuge und seit Oktober 2005 ganz neu die edition 7 Türme.

Der grauhaarige »Jung«unternehmer sitzt Pfeife rauchend und Tee trinkend an seinem Schreibtisch. Kind und Hunde lärmen im Garten. Umgeben von Computern und Schreibtischen, wirkt er wie eine Graue Eminenz, die von ihrem Platz aus alle Fäden in der Hand hält. Um ihn herum türmen sich Bücher, Manuskripte, Notizen, Coverentwürfe und Korrekturausdrucke. Hier sieht es wirklich sehr nach Arbeit aus.

Der Slogan der WFB-Verlagsgruppe lautet: »Alles, was uns interessiert«. Das scheint eine ganze Menge zu sein. Das Spektrum reicht von Goethe über Börsenratgeber und Biographien bis hin zu christlicher Literatur. Rudolf Wolff: »Es gibt wirklich viele Dinge, die mich und uns interessieren. Und ich denke, das kann man auch von unseren Lesern sagen. Menschen, die sich nur für eine einzige Sache interessieren, dürften wohl eher in der Minderheit sein.«

Natürlich stellt sich die Frage, ob es nicht sehr mutig ist, in dieser wirtschaftlich eher schwierigen Zeit ein unternehmerisches Risiko einzugehen und einen Verlag zu gründen. Aber jeder weiß, daß der alte Rowohlt dreimal Pleite gegangen ist, ehe sein Verlag in Deutschland ein Begriff wurde, der aus der Literaturlandschaft nicht mehr wegzudenken ist.

Aller guten Dinge sind bekanntlich drei. In gewisser Weise ist der WFB-Verlag auch schon der dritte Verlag, den Rudolf Wolff gegründet hat. Den ersten gründete er mit 18 Jahren. Damals verdiente er so gut damit, daß er sich nach kurzer Zeit einen nagelneuen Sportwagen kaufen konnte. Schnelle Autos stehen für ihn mittlerweile allerdings nicht mehr auf der persönlichen Wunschliste. Heute hat er höhere Ansprüche: Er will wirklich gute Bücher machen.

Zur Unternehmensphilosophie seines Verlages befragt, antwortet Wolff: »Ich gehe davon aus, was mich interessiert, das könnte auch andere Menschen interessieren. Unser erster Band aus der Edition FinanzWolff (jetzt: WFB-Ratgeber) ist zum Beispiel ein Leitfaden, den man praktisch jedem Menschen in die Hand geben kann, der für sein Alter vorsorgen möchte oder durch Erbschaft zu Geld gekommen ist. Das Buch heißt Geld stinkt nicht. Da steht alles drin, was man an Grundwissen braucht, um mit Aktien Geld zu verdienen.«

In der Edition Literarische Tradition ist zuerst der Band Novelle von Goethe erschienen mit einem wichtigen Anhang zur Entstehungsgeschichte. Das ist nicht nur aus literaturwissenschaftlicher Perspektive interessant, sondern, so die Überzeugung des Verlegers, auch heute noch ein Lesegenuß: »Es ist ein hübsches Bändchen geworden, auch sehr schön zum Verschenken geeignet, und wir sind hier im Verlag tatsächlich ein bißchen stolz auf dieses Projekt.«

Vielleicht sein ehrgeizigstes Projekt ist die Edition Profile. Zielgruppe sind Leser ab 10 Jahren. Geplant sind leicht lesbare, klar strukturierte Biographien von Menschen, ohne die diese Welt nicht so wäre, wie sie ist – Persönlichkeiten, die man einfach kennen muß. Bände über Luther, Schiller, Anne Frank und Goethe sind bereits fest eingeplant und in Arbeit. Die Bücher sind reich bebildert, da ja bekanntlich ein Bild mehr sagt als tausend Worte. Nur wer die Geschichte kennt, kann die Zukunft gestalten. Dieser Gedanke steht hinter der Edition Profile. Bildungslücken zu schließen, ehe sie katastrophale Konsequenzen haben können, ist das Programm. Der erste Band in dieser Reihe dürfte ab 2008 erscheinen.

In der Edition TempelBibliothek erschien im Mai 2005 beispielsweise ein Band mit Predigten von Charles Haddon Spurgeon. Spurgeon war ein theologischer Autodidakt mit herausragender Bildung und einer ungewöhnlichen Redegabe, ein Verkünder des Evangeliums, der zu Lebzeiten (1834 bis 1892) wie heute sehr aktuell ist. Weitere Bände liegen bereits seit längerem vor: Gebete und Der erste Christ, beide von Katja Wolff, die auch das Martin Luther-Buch Gegen den Verarmungswahn sowie das Buch des Pfarrers Blumhardt Sieg gegen die Hölle ediert und verantwortet hat.

Wie ist Rudolf Wolff auf die Idee gekommen, eine christliche Edition herauszugeben? Ist das überhaupt zeitgemäß?

Rudolf Wolff: »Ich denke: Ja. Sehen Sie sich zum Beispiel nur die Bücher von Peter Hahne an. Alles Bestseller. Es findet überall eine schrittweise Rückbesinnung auf unsere europäische Identität statt. Vielleicht ist das die Konsequenz der allgemeinen Globalisierung. Europa verstehen und gestalten, das kann nur, wer seine christlichen Wurzeln kennt. Dazu möchten wir unseren Beitrag leisten.«


In seiner Edition ZeitZeuge plant er unter anderem einen Band über den unvergessenen Humoristen Heinz Erhardt. Seine Filme laufen heute noch im Fernsehen. Erhardt, der wie kaum ein anderer das Wirtschaftswunder repräsentierte, ist nach wie vor sehr populär. Dazu Rudolf Wolff: »Das meiste, was uns heute als ›Humor‹ verkauft wird, ist entweder Dumpfsinn oder ätzende Bosheit auf Kosten anderer. Heinz Ehrhardt war ganz anders: Liebenswert, satirisch, aber nie verletzend. Er hatte wirklich einen zutiefst menschlichen Humor. Das kommt auch heute noch an. Wir bekamen für dieses Buch schon die ersten Bestellungen, als noch keine einzige Zeile des Manuskriptes geschrieben war. Das zeigt einfach, daß die Menschen Heinz Erhardt auch heute noch lieben. Ich schließe mich da nicht aus.«


Bisher in Deutschland wohl nur wenigen ein Begriff ist Alexander Lange Kielland. Rudolf Wolff gibt die Gesamtausgabe seiner Werke heraus. Ein umfangreiches und engagiertes Projekt. Als »Fontane Norwegens«, dessen Schriften von Thomas Mann auf der Suche nach Anregungen herangezogen wurden, ist Kielland bei uns noch relativ unbekannt. Ganz zu Unrecht übrigens. Es ist ein großes Vergnügen, Bücher aus der »guten alten Zeit« zu lesen, als Romanschriftsteller noch wirklich erzählen konnten.


Im April 2006 hatte Kielland seinen einhundertsten Todestag. Bis dahin sollte ein Großteil der auf zehn Bände konzipierten Gesamtausgabe bereits als Einzelbände erhältlich sein. Literarische Tradition ist im April 2005 gestartet mit dem Roman Jakob: Die Geschichte eines gewissenlosen Geschäftemachers, der über Leichen geht, um reich zu werden. Mit nichts weiter als unersättlicher Geldgier kommt der Bauernsohn vom Lande in die Stadt. Kurze Zeit später ist er einer der reichsten Männer des Landes. Wie er das gemacht hat, das ist noch heute spannend zu lesen.


Wer Fragen hat, kann auch gern mailen oder anrufen. Jeden Donnerstag zwischen 15 und 18 Uhr ist die Leser-Hotline besetzt. Anrufer haben dann die Möglichkeit, den Autor und Verleger zu sprechen, Fragen zu stellen oder Anregungen zu geben. Die Nummer ist: 0451/28064–16. Der persönliche Kontakt zum Leser ist dem Verleger sehr wichtig. Er will keine Bücher aus und für den Elfenbeinturm machen, sondern seinem Slogan treu bleiben: Alles, was uns interessiert. Also auch alles, was seine Leser interessiert.


Wie wird sich die WFB-Verlagsgruppe entwickeln? Rudolf Wolff ist zuversichtlich. Allerdings räumt er lächelnd ein: »Wer weiß, ob ich hier noch lange der ›Chef‹ bin. Mein Sohn hat schon angemeldet, daß er den Verlag übernehmen will, wenn ich alt bin. Er ist ja auch vom Fach, er hatte zum Beispiel schon eine eigene Schülerzeitung. Allerdings ist er erst zehn, und ich bin noch kein Rentner.«